Bildbesprechung: Mama, mach mal ein Foto...

"Mama, mach mal ein Foto von mir" von schierin.

Anders als sonst
Die lieben Kleinen... haben so ihre ganz eigene Dynamik. Und die ins Bild umzusetzen, ist nicht immer ganz leicht: manche Kinder sind sehr temperamentvoll, viel zu schnell für den Autofokus und andere lassen sich einfach nicht gerne fotografieren. Hier verrät der Bildtitel etwas anderes: Die junge Dame wollte fotografiert werden. Und nicht nur sie, sondern auch ihr Spielzeug sollte mit ins Bild. So ist schierin ein stimmungsvolles Kinderportrait gelungen, das sich von "normalen" Kinderfotos unterscheidet.

Warum dieses Bild wirkt
Die Puppen vor dem Kindergesicht wirken fast wie ein Schleier, hinter dem das Gesicht des Kindes verborgen bleibt. Nur Augen und Nase sind zu sehen, die Augen blicken direkt in die Kamera, beinahe geheimnisvoll. Immer, wenn man etwas nicht sehen, sondern nur ahnen kann, wird unsere Phantasie angeregt - so auch hier.
Die Aufnahme ist aus unmittelbarer Nähe gemacht, mit einer Brennweite von 45 mm und offener Blende 3,5. Das Bildformat ist voll ausgenutzt: formatfüllende Konzentration aufs Wesentliche. Es wurde nicht geblitzt, dadurch bleibt die Lichtstimmung natürlich. Eine besondere Spannung entsteht durch die Puppen, die das Kind dem Betrachter bzw. der Fotografin entgegen hält bzw. sich hinter ihnen verbirgt. Bei gewöhnlichen Kinderfotos fotografieren Eltern ihre Kinder zwar oft mit dem Spielzeug, aber selten nehmen diese Accessoires so viel Raum ein. In einer Situation, die durch den Bildtitel klar beschrieben ist, wird deutlich, dass diese Puppen ziemlich bedeutungsvoll sind. Wir dürfen einen Blick auf die geheimnisvolle Welt des kindlichen Spiels werfen und für einen kleinen Moment Anteil daran haben.

Was man noch verbessern könnte
Der Nachteil beim Fotografieren mit vorhandenem Licht besteht darin, dass es sehr leicht zu Verwacklungsunschärfe kommen kann oder dass die Schärfentiefe im Bild nicht ausreicht.

Schärfe
Hier liegt die Schärfenebene auf den Puppen und fällt, durch die weit geöffnete Blende rasch ab. Man mag die Schärfe auf den Augen vermissen. Wenn sich die Fotografin aufgrund verfügbaren Lichts und Einstellungsmöglichkeiten entscheiden muss ob sie auf Augen ODER Puppen scharf stellt, und sie sich für die Augen entscheidet, hat dies zur Folge, dass die Puppen unscharf werden. Da diese aber einen sehr großen Raum im Vordergrund einnehmen, würde man noch mehr Unschärfe im vorderen Bereich ebenfalls als störend empfinden. Die hier gewählte Alternative ist sicher die günstigere. Ideal wäre eine insgesamt größere Schärfezone, die sich bis zu den Augen erstreckt.

Licht
Der rechten Bildseite fehlt das Licht - das Auge liegt leider sehr im Schatten. Ein Aufheller von rechts, der das Tageslicht sanft in die Schattenpartien spiegelt, wäre ideal. Weil fotografieren mit wenig Licht zu solchen Unzulänglichkeiten führt, greifen die meisten Leute zum Blitz. Dieses grelle Licht ist nicht nur unangenehm für die Kinder, sondern erzeugt auch die gefürchteten Kaninchenaugen, vor allem wenn es aus den kleinen Kompaktkameras abgefeuert wird. Auch die "Rote-Augen-Reduktion" macht es nicht besser. Blitzen Sie Ihr Kind nicht in die Flucht. Manchmal hilft schon das Einschalten einer zusätzlichen Lichtquelle im Zimmer. Für stimmungsvolle Blitzaufnahmen sind die eingebauten Blitzgeräte eher ungeeignet. Probieren Sie ggf. die Funktion "Nachtblitz" aus, um eine natürlichere Lichtstimmung zu erzeugen.

Kinderfotos
Einige Kameras haben einen eigenen Programm-Modus "Kinder und Tiere". Damit optimiert die Kamera die Einstellungen so, dass kurze Verschlusszeiten gewählt werden, ggf. wird der ISO-Wert entsprechend erhöht. Wenn Ihre Kamera nicht mit so einem Programm aufwarten kann, ist es gut, wenn man weiß, wie man diese Einstellungen manuell vornimmt. Während des Fotografierens haben Sie keine Zeit und Gelegenheit, an den Einstellungen herum zu fummeln - bis Sie alles fertig haben, ist das schöne Motiv längst weg. Bereiten Sie sich und die Einstellungen der Kamera rechtzeitig auf die Session vor, damit Sie sich ganz auf Ihre Motive konzentrieren können. Schaffen Sie eine möglichst ungezwungene Atmosphäre und nötigen Sie Ihr Kind nicht zum "Strammstehen" - da vergeht (auch Erwachsenen) die Lust aufs Fotografieren.
Fotografieren Sie nicht nur das, was Sie für erinnerungswürdig halten, sondern beziehen Sie die Ideen Ihrer Kinder mit ein - nehmen Sie mit ins Bild, was den Kindern etwas bedeutet.
Beobachten Sie und werden Sie Teil der kindlichen Spiel-Szene. Lassen Sie das Fotografieren ganz nebenbei "geschehen".
Blitzen Sie nicht frontal mit voller Leistung, setzen Sie bestenfalls einen Aufhellblitz ein
Arrangieren Sie das Kinderzimmer und die Spielsachen unauffällig so, dass die Kinder beim Spielen in einem günstigen Licht und vielleicht auch noch vor einem günstigen Hintergrund sitzen. Im Freien eignen sich Rasenflächen oder Hecken gut als Hintergrund.
Versuchen Sie die Schärfentiefe als Gestaltungselement für Portraits zu nutzen - auch und gerade bei Kindern.
Fotografieren Sie aus Augenhöhe des Kindes, nicht so sehr von oben herab - oder übertreiben Sie die Perspektive ganz extrem.
Machen Sie aus der Not eine Tugend und üben Sie das Mitziehen der Kamera, wenn Ihr Kind lieber herumlaufen und nicht stillhalten will.


Weitere Bildbeispiele mit Anmerkungen:
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Frühling in Cambridge von Jeri C.
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Mama, mach mal ein Foto von mir... von Schierin
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