Bildbesprechung: Schwalbenschwänze

"Schwalbenschwänze" von Markus Oettel
Geduld und Glück
Markus schreibt: "Ich habe das Bild im Sommer bei uns im Garten aufgenommen. Ich habe das 28-105 Macro benutzt und fotografiert was das Zeug hielt.
Die sassen keine 5 Sekunden ruhig."
Die Aufnahme ist bei ISO 200 mit 1/400 sec bei offener Blende 4,5 entstanden.
Wer selbst einmal versucht hat, Schmetterlinge oder andere relativ kleine Tiere zu fotografieren, weiß, wie schwierig das ist.
Allein die Tatsache, dass sich die Motive ständig bewegen, ist eine Herausforderung. Und hat man sie dann mal im Visier, muss die Schärfe genau
am richtigen Punkt sitzen und die Belichtungszeit muss kurz genug sein, um nicht zu verwackeln oder die Bewegungen des Schmetterlings einzufrieren.
Je weiter man von einem schnell bewegten Objekt entfernt ist, umso "einfacher" ist es, dieses fotografisch einzufangen, denn es genügt ein kleiner
Kameraschwenk, um es wieder in den Sucher zu holen. Je weiter man in den Nahbereich kommt, desto größere Bewegungen muss man mit der Kamera vollführen,
um dem Motiv zu folgen. Und auch die Schärfentiefezone verändert sich im Makrobereich: sie wird deutlich geringer. Hier ist nicht alles durch und durch scharf,
trotzdem ist Markus ein bezauberndes Schmetterlingsfoto gelungen.
Warum dieses Bild wirkt
Markus hat im entscheidenden Moment abgedrückt. Während der eine Schmetterling ruhig an der Blüte sitzt, befindet sich der zweite Schwalbenschwanz gerade im
Anflug, die Flügel sind fast vollständig aufgeklappt. Man sieht zwei Ansichten: eine seitliche und eine frontale. Ein Schmetterling ist ganz in Ruhe und zu großen
Teilen scharf abgebildet, der andere leicht unscharf und in Bewegung. Dadurch bekommt das Bild eine faszinierende Dynamik. Der Hintergrund, der durch die weit
geöffnete Blende des Makroobjektivs zu einer farbigen Fläche verschwimmt, macht das Foto sehr plakativ. Das ursprüngliche Rechtecksformat ist dem Motiv angemessen beschnitten,
sodass der Blick des Betrachters sich ganz auf die beiden "Akteure" konzentrieren kann.
Was man noch verbessern könnte
Der einzige kleine Wermutstropfen an diesem Bild ist die etwas düstere Farb- und Lichtstimmung - es dürfte noch ein bißchen mehr leuchten.
Makrofotografie
Die meisten Digitalkameras, auch die kleinen, liefern im Nahbereich gute bis sehr gute Bilder. Bauartbedingt können sie kleine Dinge viel besser groß abbilden und das sogar ohne teures Zubehör.
Wichtig ist, dass der Kamerabenutzer die Makro-Funktion einschaltet (Blumen-Symbol). Geschieht das nicht, oder wird der Mindest-Aufnahmeabstand unterschritten,
werden die Bilder unscharf. Auch die Verwacklungsgefahr bei Makro-Aufnahmen ist größer. Häufig wirft auch die Kamera einen Schatten auf das Motiv -
dann besser eine andere Perspektive wählen oder blitzen. Doch Vorsicht: bei kleinen Kameras funktioniert das vielleicht noch, bei großen Spiegelreflexkameras kommt
man mit normalen Blitzgeräten nicht weiter. Man benötigt einen speziellen Ringblitz, der vorne am Objektiv aufgesetzt wird - oder andere Leuchten.
Normale Aufnahmeobjektive von Spiegelreflexkameras haben häufig eine Makroeinstellung, spezielle Makroobjektive liefern jedoch brillantere und bessere Bilder.
Wer sich ernsthaft mit den "kleinen Motiven" beschäftigen will, kommt langfristig um den Erwerb eines solchen Objektivs nicht herum.
Das größte Problem in der Makrofotografie ist die Schärfentiefe, denn sie wird mit Zunahme des Abbildungsmaßstabes immer geringer. Viele dreidimensionale Objekte
lassen sich nicht durchgehend scharf abbilden und auch eine kleine Blende – als das übliche Mittel, die Schärfentiefe zu erhöhen – reicht oft nicht mehr aus.
Für unbewegte Motive wie Stilleben könnte man das Problem durch Bildbearbeitung beheben, indem man das Motiv mehrmals mit verschiedenen Fokuspunkten fotografiert,
und die verschiedenen Aufnahmen anschließend am PC montiert - aber das ist natürlich sehr aufwändig.
Interessanter und spannender ist es, mit diesem Effekt gestalterisch zu arbeiten.
Übrigens: Makrofotografie bedeutet nicht, dass man nur Schmetterlinge oder Blümchen fotografieren muss, die klassischen Makro-Motive. Fotografieren Sie doch mal einen
Kugelschreiber, eine Münze oder die Playmobil-Männchen Ihrer Kinder aus nächster Nähe!
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