Bildbesprechung: Frühling in Cambridge

"Frühling in Cambridge" von Jerica Cebin
Tolle Perspektive
Hätten Sie dieses Motiv auch so fotografiert?
Meistens stehen wir nur da, heben die Kamera auf Augenhöhe und machen Knips. Die Welt auf dem Foto sieht dann genau so aus, wie das, was wir jeden Tag sehen und kennen.
Kein Wunder also, dass wir an so einem Foto "nichts besonderes" finden können. Hier ist das anders. Das Bild wirkt durch die extreme Perspektive:
Die Fotografin lag im Gras und hat auf die Blumen im Vordergrund fokussiert. Das, was die meisten anderen als Hauptmotiv ins Visier genommen hätten,
bekommt in diesem Bildaufbau nur die "Statistenrolle" im Hintergrund zugewiesen. Das altehrwürdige Gebäude der Universität von Cambridge würde trotzdem
jeder wieder erkennen, der selbst einmal dort war. Das Haus muss nicht scharf sein. Die Andeutung reicht.
Gelungen ist nicht nur die Schärfeverteilung, die den Blick des Betrachters führt: scharfer Blickfang im Vordergrund mit einem leicht in Unschärfe verschwimmenden
Hintergrund. Auch der Bildaufbau passt: 2/3 für das Wiesenmotiv, 1/3 fürs Gebäude und den Himmel.
Die ungünstige Halbierung des Bildes wurde geschickt vermieden.
Der freundliche weiß-blaue Himmel tut ein Übriges zur heiteren Stimmung dieses Bildes. Die diffusen Wolken haben mitgeholfen, extreme Kontraste und damit ausfressende
Spitzlichter auf Blumen und Gebäude zu verhindern. Gut erwischt!
Der Bildtitel
Viele Fotografinnen und Fotografen tun sich schwer mit dem Bildtitel und sind froh, wenn sie keinen erfinden müssen. Wenn für Ausstellungen, Wettbewerbe oder Online-Galerien
dann doch ein solcher Titel benötigt oder gewünscht wird, liest man so sinnige Titel wie "Formenspiel", "Variationen in xy" oder - wenigstens ehrlich - "o.T." - ohne Titel.
Häufiger noch beschreibt der Titel genau das, was auf dem Foto ohnehin klar und deutlich zu sehen ist: "Gelbes Blatt" oder "Schmetterling". Wenn man schon so dokumentarisch
sein möchte, dann lieber gleich mit der richtigen Bezeichnung: Ahorn oder Buche bzw. Schwalbenschwanz oder Kohlweißling. So lernt der fach-unkundige Betrachter wenigstens
etwas dazu.
"Blumenwiese mit Haus" oder "Frühling in Cambridge". Wenn Sie die Wahl hätten, einem der beiden Titel als Textlink zu folgen - welchen würden Sie anklicken?
Was man noch besser machen könnte
Manch einer mag sich an den stürzenden Linien des Gebäudes stören. Man könnte das Bild eventuell noch etwas gerade richten, um das leichte Wegkippen nach links hinten
abzumildern. Natürlich gibt es auch diverse Programme, um Häuser wieder gerade zu rücken, aber in diesem Fall würde man auch die große Blume im Vordergrund mit korrigieren...
oder sähe sich einem recht hohen Bearbeitungsaufwand ausgesetzt. Meines Erachtens ist eine extreme Perspektivkorrektur bei diesem Foto nicht unbedingt nötig. Perfektionisten
mögen das anders sehen...
Übung
1.) Suchen Sie in Ihrem Archiv Fotos mit ungewöhnlichen Perspektiven oder machen Sie ein paar neue Bilder.
2.) Finden Sie für Ihre drei schönsten Bilder reizvolle Titel
Vielleicht haben Sie Lust, Ihre Bild-Titel-Kombinationen im Gästebereich vorzustellen?
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Frühling in Cambridge von Jeri C.
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Palmenmeer von Tanja H.
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Frühling in Cambridge von Jerica Cebin